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Strom und Licht fürs Waisenhaus

NWZ, 27.05.2017

von Lina Bande




Rund 200 Kinder besuchen derzeit die Glovo-Schule nahe der Stadt Agona Swedru in Ghana. Dort und auch im angrenzenden Waisenhaus gibt es keinen Strom - Foto: Joséphine Jeske


GHANA/GANDERKESEE - Ein Leben ohne Kühlschrank, ohne Licht, ohne Fernseher: Für viele Menschen ist das heute unvorstellbar. Für die Kinder des Glovo-Waisenhauses, nahe der Stadt Agona Swedru in Ghana, ist das allerdings Alltag. Aber wenn alles klappt, dann dürfte das Leben ohne Strom schon bald der Vergangenheit angehören, denn bis Ende Juli soll auf dem Waisenhaus eine Solaranlage installiert sein – gebaut von der Firma Meyer-Technik in Ganderkesee.

Möglich wird das durch Joséphine Jeske. Die 19-jährige Ganderkeseerin leistet seit August 2016 in der direkt ans Waisenhaus angrenzenden Schule Freiwilligendienst. Neben Mathe- und Sportunterricht in „ihrer“ Klasse hat sie auch den Französischunterricht übernommen, und das für alle Klassen. „Eigentlich sollten hier alle Schüler Französisch lernen“, erklärt sie, „aber es gibt kaum Lehrer.“

Joséphine lebt derzeit in einer Gastfamilie in der größeren Stadt Agona Swedru, die Schule liegt aber „ein bisschen ab vom Schuss“, wie sie erzählt, mitten im ghanaischen Busch. Deshalb sind Schule und Waisenhaus auch nicht ans ohnehin instabile Stromnetz angeschlossen. „Das Problem ist, dass es hier um 18 Uhr dunkel ist“, erzählt die 19-Jährige. Dann spenden lediglich ein paar Taschenlampen Licht im Waisenhaus, „Hausaufgaben und Lernen sind dann sehr schwierig“, hat Joséphine beobachtet.

Gemeinsam mit Pauline, einer weiteren Freiwilligen aus Kiel, hatte sie deshalb die Idee, sich um die Stromversorgung für das Waisenhaus zu kümmern. „Wir haben überlegt, ob wir eine Solaranlage beschaffen oder uns um den Anschluss ans Stromnetz bemühen“, erzählt die Ganderkeseerin. Die Wahl fiel auf die Solaranlage: „Das ist ökologisch nachhaltig, und es gibt keine monatlichen Stromrechnungen, deren Höhe nicht absehbar wäre.“ Und: Der Anschluss wäre teurer als eine Anlage aus Deutschland. Eine Solaranlage aus Ghana würde sich nicht lohnen – „die haben bei Weitem nicht die Qualität wie deutsche Anlagen und halten nicht lange.“

Seit Anfang April sind Joséphine und ihre Mitstreiterin nun dabei, Spenden für die Solaranlage, die Verschiffung und die Zölle zu sammeln. Dass Meyer Technik die Anlage bauen wird, war dabei eher Zufall: Joséphines Vater hörte sich bei verschiedenen Unternehmen in der Gegend um, bei Meyer passte dann alles, erzählt die Ganderkeseerin: „Die Anlage ist eine Spezialanfertigung, genau auf Ghana angepasst.“ Insgesamt benötigen die beiden Freiwilligen rund 5400 Euro, etwa die Hälfte davon haben sie bereits zusammen. „Unsere Priorität ist es, dass bis Ende Juli eine Solaranlage auf dem Dach montiert ist“, sagt Joséphine, schließlich geht es dann für sie und Pauline zurück in die Heimat.

Die Kinder aus dem Glovo- Waisenhaus wissen indes noch nichts von den Plänen, um keine falschen Hoffnungen zu wecken. „Das wird dann hoffentlich eine große Überraschung!“, sagt Joséphine lachend. Wer Fragen zum Projekt hat oder es finanziell unterstützen möchte, kann über josephine.jeske@gmx.de Kontakt aufnehmen.  


Quelle: https://www.nwzonline.de/oldenburg-kreis/wirtschaft/strom-und-licht-fuers-waisenhaus_a_31,3,262435357.html


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